Ratgeber zur Altersvorsorge
Altersvorsorge für Selbstständige: Wachsende Altersarmut bei Ein-Mann-Unternehmen
Für die meisten Selbstständigen ist Altersvorsorge kein Thema. Die meisten besitzen zwar eine Berufsunfähigkeitsversicherung und eine private Krankenversicherung, eine gezielte Vorsorge für das Alter betreiben sie jedoch nicht. Dies hat seinen guten Grund. Etwa die Hälfte aller Selbstständigen sind Ein-Mann-Unternehmen, die meist so wenig verdienen, dass einfach nichts mehr übrig bleibt, um davon etwas für das Alter zurückzulegen. Etwa 2,3 Millionen Solo-Selbstständige gibt es in Deutschland und jeder Dritte von ihnen verdient weniger als 1.100 Euro im Monat. Zwar hält der überwiegende Teil der Selbstständigen die eigene Altersvorsorge für ausreichend. Bedenklich ist jedoch, dass etwa jeder zehnte überhaupt nichts für die Rente tut. Ökonomen und Sachverständige warnen deshalb immer wieder vor der drohenden Zunahme der Altersarmut bei dieser Gruppe von Selbstständigen.
Wer als Selbstständiger bereits für das Alter vorsorgt, tut dies laut einer Umfrage des Bundesverbandes der Selbstständigen am häufigsten mit der klassischen Kombination aus Immobilienbesitz (61 Prozent) und einer privaten Rentenversicherung bzw. Lebensversicherung (84 Prozent). Wertpapiere und Sparbücher besitzen dagegen nur 34 Prozent der Befragten. Obwohl die private Altersvorsorge deutlich rentabler ist, als die gesetzliche Rentenversicherung, sind noch immer 34 Prozent der befragten Selbstständigen freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Versorgungssysteme. Ärzte, Apotheker und Anwälte haben außerdem eine eigene berufsständische Altersvorsorgung.
Die Schwierigkeit bei der Altersvorsorge für jeden Selbstständigen besteht darin, dass er anders als Angestellte kein festes monatliches Einkommen zur Verfügung hat. Vielmehr sind seine Einnahmen starken Schwankungen unterworfen. Plötzlich auftretende Risiken wie Zahlungsverzug oder ein Rechtsstreit sorgen nicht gerade für mehr Plaungssicherheit. Aus diesem Grund ist es völlig verständlich, wenn Selbstständige nicht unbedingt darauf erpicht sind, sich mit einem Altersvorsorgevertrag jeden Monat regelmäßige Ausgaben aufzuerlegen. Wie trotzdem etwas für die Altersvorsorge getan werden, dafür gibt es leider keine allgemein gültige Vorschrift. Zunächst muss mindestens soviel Geld übrig bleiben, damit das Überleben der Firma gewährleistet ist. Erst danach kann damit begonnen werden, sich Gedanken um die Altersvorsorge zu machen. Die wichtigsten Vorsorgemaßnahmen für Selbstständige sind nach Meinung von Finanzexperten der Abschluss einer privaten Krankenversicherung sowie einer Pflegezusatzversicherung. Gleich darauf folgt die Absicherung existenzieller Risiken durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Sollten noch mehr finanzielle Mittel vorhanden sein, kann mit der Altersvorsorge begonnen werden. Um ein tatsächlich ausreichendes Vorsorgepaket zu finanzieren, sind jedoch enorme Einnahmen notwendig (etwa 10.000 Euro brutto). Selbststädnige, die diese Einnahmen nicht erzielen, können nur darauf hoffen, später in ein normales Angestelltenverhältnis wechseln zu können oder irgendwann einmal genug zu verdienen, um sich für die Rente entsprechend zu wappnen. Eine andere etwas riskantere Möglichkeit ist, auf einzelne Bausteine der Vorsorge einfach zu verzichten. Beispielswiese ist eine Berufsunfähigkeistversicherung nicht unbedingt nötig, wenn die Berufsunfähigkeitsrente im Invaliditätsfall sowieso unter der gesetzlichen Grundsicherung liegen würde.
Die Planung der privaten Altersvorsorge kann Selbstständigen niemand abnehmen. Wichtig ist, sich zunächst ausgiebig mit der aktuellen Situation auseinanderzusetzen und eine Altersvorsorge-Analyse durchzuführen. Dazu gehört unter anderem die Beantwortung der Frage, wieviel Geld im Monat überhaupt zurückgelegt werden kann, ohne dass der Betrieb in Schwierigkeiten gerät. Ebenso sollte man sich von der gesetzlichen Rentenversicherung ausrechnen lassen, welche Rentenanwartschaften bislang erworben wurden und aus welchen Quellen im Alter möglicherweise weitere Einnahmen generiert werden können. Danach kann man sich von einem Vorsorgespezialisten verschiedene Angebote unterbreiten lassen aus denen man die passenden auswählt. Eine gute Altersvorsorge-Möglichkeit für Selbstständige ist sicherlich die staatliche geförderte Rürup-Rente. Andere Alternativen wie Immobilien oder Lebensversicherungen sollten dennoch nicht außer Acht gelassen werden.
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