Chancen, Risiken und Funktionsweise der wichtigsten Zertifikate
Zertifikate im Überblick
Seit der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers und der damit verbundenen Entwertung der von dieser Bank emittierten Zertifikate dürfte wohl auch dem letzten Anleger deutlich geworden sein, dass diese Wertpapiere nicht völlig ohne Risiko sind. Wie der Name bereits vermuten lässt, verbriefen Zertifikate verschiedenste Ansprüche gegenüber dem Herausgeber des Papiers. Es handelt sich demnach um Schuldverschreibungen. Mit Hilfe von Zertifikaten kann der Anleger an der Entwicklung von bestimmten Kapitalanlagen teilhaben, ohne diese selbst direkt zu besitzen. Aus diesem Grund zählt man Zertifikate auch zu den (von einem Basiswert) abgeleiteten Finanzinstrumenten, den so genannten Derivaten. Als Basiswert für Zertifikate kommen beispielsweise Aktien, Anleihen, eine Auswahl bestimmter Aktien (sog. Aktienkorb bzw. Basket), ein ganzer Index, die Preise von Rohstoffen oder Immobilien sowie verschiedene Zinssätze und Währungen in Frage. Gegen Kursverluste sind Zertifikate in der Regel bis zu einem gewissen Grad abgesichert. Allerdings gibt es neben dem Kursrisiko noch andere wichtige Risiken bei Finanzanlagen. Anders als beispielsweise bei Investmentfonds tragen bei Schuldverschreibungen die Kunden das Bonitätsrisiko des Ausstellers. Geht es wirtschaftlich bergab mit dem Emittenten, sind herausgegebene Wertpapiere absolut wertlos und der Anleger kann sein Geld wohl abschreiben. Dies mussten die Anleger von Lehman Brothers schmerzlich am eigenen Leib erfahren.
Besonders gefragt bei den Anlegern sind derzeit Garantiezertifikate. Bei diesen Wertpapieren gewährt der Herausgeber einen 100-prozentigen Kapitalschutz bei eventuellen Verlusten. Gleichzeitig wird allerdings auch ein Teil der Gewinne, die mit diesem Papier erzielt werden, vom Emittenten einbehalten. Hinzu kommt, dass diese Garantiezertifikate wie übrigens alle Zertifikate als Finanzinnovation gelten und damit in vollem Umfang der Ertragsbesteuerung (Abgeltungssteuer) unterliegen.
Nicht weniger beliebt sind Zertifikate, die zumindest einen Sicherheitspuffer gegen Kursverluste bieten (sog. Bonuszertifikate). Dazu wird ein Festbetrag plus eine angemessene Verzinsung (Bonus) vereinbart, den der Anleger nach Ablauf erhält, sollte der Basiswert während der Laufzeit eine bestimmte Schwelle nicht unterschreiten. Ansonsten wirkt das Papier wie ein normales Investment in die entsprechende Kapitalanlage oder den jeweiligen Index.
Express-Zertifikate geben Anlegern die Chance eine hohe und im Voraus bereits bekannte Rendite zu erzielen, wenn sich die Aktienmärkte seitwärts bewegen oder nur leichte Kursanstiege zu erwarten sind. Solche Zertifikate laufen über mehrere Jahre und nach Ablauf jedes Jahres hat der Anleger die Möglichkeit, sich das investierte Kapital inklusive Verzinsung zurückzahlen zu lassen, wenn der Basiswert (ein Index oder eine Aktie) an einem festgelegten Stichtag ein bestimmtes Niveau nicht unterschreitet.
Die bekannteren und am einfachsten zu durchschauenden Produkte sind sicherlich Indexzertifikate, bei denen die Auszahlung an die Wertentwicklung eines bestimmten Kapitalmarktindex gekoppelt ist, oder Discountzertifikate, bei denen ein Bezugsrecht verbrieft wird, durch das eine Aktie günstiger zu bekommen ist, als der aktuelle Kurs, gleichzeitig aber auf einen Teil von möglichen Kursanstiegen verzichtet wird.
Besonders untransparent sind Basketzertifikate oder Zertifikate auf Einzelwerte oder einzelne Branchen bzw. Regionen (z.B. Emerging Markets Zertifikate). Bei diesen oftmals exotischen Papieren sind die Chancen und Risiken für den Laien in der Regel nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Deshalb sind diese Wertpapiere nur erfahrenen Anlegern zu empfehlen.
Trotz der Vorkommnisse in der jüngsten Vergangenheit sollte man nicht alle Zertifikate verdammen. Diese Papiere sind nichts für jedermann - soviel dürfte klar sein - aber für interessierte Anleger nach wie vor eine interessante Beimischung für das eigene Depot. Wichtig ist, dass man als Kunde nur solche Papiere kauft, deren Funktionsweise absolut klar ist. Da das Emittentenrisiko bei Zertifikaten eine große Rolle spielt ist immer darauf zu achten, wer das Zertifikat herausgibt. Außerdem fallen beim Kauf von Zertifikaten mitunter hohe Gebühren an, oft gibt es auch so eine Art Ausgabeaufschlag. Bei schwierigen Konstruktionen besteht zudem die Gefahr, dass die Bank an irgendeiner Stelle versteckte Kosten abzwackt.
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