Ratgeber Kapitalanlagen
Geschlossene Fonds werden für Anleger immer interessanter
Obwohl es sich bei beiden Anlageformen um Investmentfonds handelt, so funktionieren offene und geschlossene Fonds in einigen Punkten doch sehr unterschiedlich. Offene Investmentfonds sammeln von den Anlegern unbegrenzt Geld ein, um dieses breit gestreut in verschiedene Kapitalanlagen zu investieren und dem Anleger am Ende des Tages eine nette Rendite bezahlen zu können. Geschlossene Fonds funktionieren eher wie Kapitalbeteiligungen. Diese Fonds legen eine bestimmte Summe fest, mit der ein Projekt finanziert werden soll, z.B. der Bau eines Windrades, der Erwerb einer Immobilie oder der Bau eines Containerschiffes. Dann sammelt der Fonds solange Geld von den Anlegern ein bis die geplante Summe erreicht ist. Danach wird der Fonds geschlossen, d.h. eine Einzahlung (ein Anteilserwerb) ist ab diesem Zeipunkt nicht mehr möglich. Das Projekt wird mit dem eingesammelten Kapital durchgeführt und wirft bei Erfolg eine entsprechende Verzinsung ab. Während offene Fonds täglich an der Börse ge- oder verkauft werden können, müssen Anteile von geschlossenen Fonds über eine bestimmte Laufzeit (10 bis 15 Jahre) gehalten werden, eben solange bis das Projekt ausgeführt worden ist. Es gibt zwar einen außerbörslichen Markt für geschlossene Fonds, dieser ist jedoch sehr illiquide und einmal erworbene Anteile bekommt man nur schwer wieder los. Bei geschlossenen Fonds trägt der Anleger somit einen Teil des unternehmerischen Risikos selbst, er wird quasi Mitunternehmer.
Im Jahr 2005 hat der deutsche Staat die Möglichkeit zur Verlustverrechnung bei der Einkommenssteuer für geschlossene Fonds gestrichen. Eigentlich war man davon ausgegangen, dass damit dieses Anlageprodukt mehr und mehr vom Markt verschwinden würde. Weit gefehlt! Nach den Kurseinbrüchen an den Finanzmärkten im Verlauf der Finanzkrise haben die Anleger wieder verstärkt Interesse an Anlageformen, die nicht so stark von den Entwicklungen an den Finanzmärkten abhängen. Und genau das tun geschlossene Fonds, da sie ja nicht an der Börse notiert sind. Ganz risikolos sind diese Fonds allerdings nicht, denn der Anleger beteiligt sich an einem Projekt, von dem er nur begrenzt Kenntnis besitzt und welches Risiken birgt. Ähnlich wie bei Zertifikaten kommt der Seriösität der Herausgeber bzw. der Betreiber des Projektes hier die entscheidende Rolle zu. Experten gehen davon aus, dass etwa die Hälfte der Anbieter von geschlossenen Fonds am Markt nicht als besonders vertrauenswürdig einzuschätzen sind. Dazu muss man wissen, dass geschlossene Fonds nicht der Finanzaufsicht unterliegen. Trotzdem drängen neuerdings sogar die großen Investmentgesellschaften und Banken mit eigenen Produkten in diesen Markt. Das führt dazu, dass die angebotenen Fonds nun auch qualitativ immer besser werden. Das Themenspektrum der geschlossenen Fonds ist dagegen so vielfältig wie eh und je: Flugzeugbeteiligungen, Immobilienfonds, New-Energy-Fonds, Klimaschutz, Film- und Medienfonds, Schiffsfonds, Infrastruktur, Asien uvm. Die DWS hat derzeit beispielsweise großen Erfolg mit ihrem DWS Access Global Timber Fonds. Damit kann man weltweit direkt in diverse Waldstücke investieren.
Zusammenfassend muss man feststellen, dass geschlossene Fonds sicherlich nichts für den normalen Kleinanleger sind. Dafür sind die Verlustrisiken zu groß und einige unseriöse Anbieter am Markt. Allerdings bieten solche Fonds auch Chancen für den Anleger. Sie sind nicht so stark mit den Aktienmärkten verknüpft wie andere Finanzprodukte und die Erträge aus geschlossenen Fonds unterliegen weitestgehend nicht der Abgeltungssteuer.
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